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In unserem ersten Beitrag geben wir Ihnen die Möglichkeit einen interessanten Dialog zum Thema

"Reiki und Kirche"

zu verfolgen und sich eine Meinung zu bilden.

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einfacher geht´ s nicht mehr!

Der NDR brachte kürzlich einen Beitrag, in dem eine Hörerin folgende  Frage stellte:

"Mit der Reiki-Energie arbeiten, darf ich das als Christin oder ist das eher fraglich? Die Reike-Energie heißt es, sei die Lebensenergie, universelle Lebensenergie mit der auch Jesus geheilt habe oder geheilt hat. Dürfen wir als Menschen so eingeweiht sein, dass wir auch mit der Reiki arbeiten, betreiben können? Dürfen wir dasselbe, was Jesus getan hat auch tun?"

In seinem Beitrag ging der Radiopastor Jan von Lingen auf die Aspekte der Frage ein. Er beginnt seine Ausführungen mit „Heilen wie Jesus mit Reiki“ -  das ist schon eine seltsame Geschichte. Den kompletten Text können Sie

> hier <

nachlesen.

Durch die Worte des Pastors hellhörig geworden, ging ich der Sache nach und schrieb eine E-Mail an die evangelische Landeskirche, die ich wie folgt formulierte: "...ich wende mich direkt an Sie, da ich eine Frage von - wie ich annnehme für viele Menschen in unserem Land - grundlegender Bedeutung stellen möchte. Am Samstag, dem 15.9.07, brachte NDR 1 - Radio Niedersachsen - gegen 9.00 Uhr einen Beitrag mit kirchlichem Bezug. Der Pastor Jan von Lingen nahm darin für die Kirche Stellung zu der Frage einer Hörerin. Sie hatte gefragt, wie denn christlicher Glaube und die Gabe von Reiki zu Heilungszwecken vereinbar seien. Die Antwort von Herrn von Lingen ließ mich aufhorchen. Und so darf ich an dieser Stelle einmal nach der offiziellen Ansicht der evangelischen Kirche in Niedersachsen zu diesem Thema fragen."
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Herr von Lingen antwortete umgehend per E-Mail:

"Sehr geehrter Herr Rudat,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema "Reiki". Mein Name ist Jan von Lingen, ich bin der Autor des Beitrags. Als Radiopastor bin ich u.a.
regelmäßig zu hören bei NDR 1 Niedersachsen. ...

Mir ist bewußt, dass ich in meinem Beitrag am Samstag auf NDR 1 Niedersachsen nur einen Teilaspekt zum Thema "Reiki" ansprechen konnte - und natürlich bin ich kein Fachmann für alle Fragen. Doch an jedem Samstag wird eine andere Hörerfrage zum Thema "Christentum und Kirche" beantwortet, da muß ich versuchen, eine Position zu finden.

Zur Sendung am Samstag:
Die Frage der Hörerin  war, ob Sie mit Reiki als Christin heilen können "wie Jesus". Das habe ich mit gutem Gewissen verneint und auf Unterschiede aufmerksam gemacht: Für Jesus hatte Heilung immer eine religiöse Seite, die nicht auf "Energieströme", sondern auf einen persönlichen Gott Bezug nimmt, den Jesus mit "unser Vater" ansprechen kann. Sollte man die Energieströme mit dem Heiligen Geist vergleichen, bleibt er nach biblischen Verständnis "unverfügbar". Jesus sagt: "Der Geist weht, wo er will." Diese Diskussion um eine christliche Interpretation von Reiki ist nicht neu, dazu habe ich einige Aufsätze gelesen.

Und auch die Wurzeln zeigen schon, wie sich Christentum und Buddhismus verweben. Mikao Usui, der "Entdecker" von Reiki, war ja zunächst Priester an der Universität in Kyoto, Japan, bis er sich mit dem Buddhismus beschäftigte und seine Visionen auf einem heiligen Berg in Japan hatte. Grundsätzlich ist der Dialog spannend, aber wir müssen eben auch reflektieren, was genau Reiki und Christentum trennt. Den Anspruch "Heilen wie Jesus" kann m.E. Reiki nicht in Anspruch nehmen. Das wollte ich ausdrücken - und das ist auch recht eindeutige Position innerhalb der theologischen Auseinandersetzung mit Reiki. (Siehe auch "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen", EZW).

Zum Thema Kurse: Mit ist bewußt, dass es  zwei Richtungen im Reiki gibt. Die "Reiki Alliance" sieht vier Grade bis zum Meistergrad vor (das ist die klassische Form, die viele Reikimeister in Deutschland erleben), die Vereinigung "Radiance Technique" bietet inzwischen sieben Einweihungen. Die Tendenz (besonders in den USA) geht dahin, die Ausbildung zu "strecken" und entsprechend mehr Geld dafür zu verlangen. ...

Mit freundlichem Gruß

Jan von Lingen
Pastor
Evangelische Radio- und Fernsehkirche im NDR Knochenhauerstraße 38-40
30159 Hannover
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Die freundliche Reaktion des Pastors konnte ich jedoch nicht unbeantwortet stehen lassen. So verfasste ich folgende Stellungnahme:

"Sehr geehrter Herr von Lingen,

herzlichen Dank für Ihre Beantwortung meiner Frage. Ich will das Thema nicht überstrapazieren, aber als einer der Reikimeister, die mehr zurückgezogen die ganze Szenerie darum beobachten, sind mir doch noch einige Dinge wichtig. Schon die Frage der Hörerin ist an sich etwas merkwürdig, ist sie mir doch in langjähriger Praxis noch nicht vorgekommen. Und ich wäre nie von selbst darauf gekommen eine solche zu stellen. Auch die Diskussion von Vereinbarkeit/Nichtvereinbarkeit von Religion und Reiki hätte ich nicht für notwendig erachtet. Aber da war ja nun der Radiobeitrag, der dann natürlich das Interesse weckte. Sie versuchten einige Punkte zum Reiki stark gestrafft zu erläutern - das kann naturgemäß nicht ausreichend sein, muss in einem solch kurzen Beitrag aber hingenommen werden.

Was mir jedoch als besonders unausgeglichen auffiel: Sie erwähnten - und das mit - sagen wir mal - vorwurfsvollem Unterton, dass Reikieinweihungen und -anwendungen Geld kosten. Das ist zum Einen nicht zwangsläufig so, zum Anderen als Ausgleich für die Zeit, die sich jemand mit einem anderen beschäftigt und ehrlich und für dessen Wohlbefinden bzw. Gesundheit sorgt, nicht abwertend zu sehen.

Ich beobachte in meiner Praxis, dass die meisten Reikiempfänger, die dafür nichts bezahlen müssen, ein erhebliches Problem damit haben etwas zu empfangen und nichts wieder dafür geben zu dürfen. In solchen Fällen - nicht wenige in meiner Praxis - werde ich meist zum Essen eingeladen oder mit einer anderen kleinen Freude entschädigt. Jeder Verkäufer einer Ware im Alltag erhält Geld dafür - das ist in der Gesellschaft akzeptiert und üblich. Wenn sich also alles im vertretbaren Rahmen hält, sollte man den Empfang von Geld für Reiki nicht anprangern. Erlauben Sir mir in diesem Zusammenhang den Hinweis, dass allein die Mitgliedschaft in der Kirche Geld kostet - jeden Monat - und das nicht wenig im Verhältnis zum Einkommen. Selbst ein aus der Kirche Ausgetretener zahlt - von ihm völlig unbemerkt - einen Restanteil an die Kirche - über die Lohnsteuer, von der die Gemeinde etwas an die Kirche abführt. Ja, die Kirche lässt sich zusätzlich beispielsweise beim Tode des Mitgliedes fürstlich entlohnen, auch wenn dieses in der Zeit der Mitgliedschaft keinerlei Leistungen in Anspruch genommen haben sollte. Ich erinnere mich ungern an die Rechnungen, die wir zu bezahlen hatten, als wir unsere Schwiegereltern - beide eifrige Kirchgänger - beerdigen mussten - sogar das Läuten der Glocken wurde berechnet. Sie sehen, der Hinweis auf pekuniäre Leistungen an Reikigebende in Ihrem Beitrag erschien in einem falschen Licht-zumindest aber unausgeglichen!

Ansonsten freue ich mich, dass die Grundhaltung der Kirche, zumindest unserer evangelischen, den Reikipraktizierenden sehr tolerant gegenüber steht. Wäre das anders, hätte ich nun aus Überzeugung das Austrittsformular ausgefüllt. Und seien Sie versichert - ich spreche allerdings nicht im Auftrag irgendeiner Organisation! - es gibt kaum einen Reikipraktizierenden, der sich als Heiler im Sinne Jesus versteht und im göttlichen Auftrag heilt. So etwas wird in seriösen Ausbildungen nicht gelehrt. Wir sehen uns eher als Vermittler einer besonderen Form von Energie, der universellen Lebensenergie.

Ich möchte es Ihnen überlassen, ob Sie unseren kleinen Dialog der Landesbischöfin zur Kenntnis gelangen lassen wollen oder nicht.

Gern möchte ich Ihre und meine Texte in dieser Sache aber interessierten Reikipraktikizierenden und Besuchern meiner Homepage

zugänglich machen, sofern Sie nichts dagegen haben.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und freundliche Grüße

Hans-Werner Rudat
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Dieser Stellungnahme folgte noch eine weitere Aussage von Herrn von Lingen:

"Sehr geehrter Herr Rudat  / z.K. Rundfunk- und Fernsehbeauftragter Pastor Jan Dieckmann

/
vielen Dank für Ihre Reaktion. Ich gebe Ihnen recht - ein kurzer Radiobeitrag kann ein Thema nur verkürzt darstellen, dadurch entsteht leicht eine Schieflage. Mir ist wichtig, dass ich speziell die Frage der Hörerin beantwortet habe und nicht allgemein zu Reiki Stellung bezogen habe. Und ihre Frage war eben die nach dem Verhältnis von Heilungen Jesu zu Reikiheilungen.
 
Zum Thema "Behandlungskosten": Natürlich soll jemand, der eine Leistung erbringt dafür auch einen Lohn bekommen können. Und über die Höhe der Kosten muß natürlich jeder Patient selbst entscheiden. Im Blick auf die Ausbildung ist mein Wissensstand, dass die Kosten für die Ausbildung (Meistergrad) sehr hoch sind und inzwischen (in bestimmten Reiki-Schulen) durch weitere Reiki-Grade weiter angehoben werden. Reiki wird dadurch zu einem guten Geschäft - siehe dazu die Veröffentlichungen der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen).
 
Mit freundlichem Gruß
 
Jan von Lingen,
Pastor
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Vielen Dank, Herr von Lingen, für den offenen Dialog und die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Ich denke die Diskussion zu diesem Thema bedarf generell weiterer Vertiefung. Mit diesem Beitrag möchte ich dazu anregen.

Ihr Gesundheitspraktiker Hans-Werner Rudat

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